Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum beherbergt eine beeindruckende Sammlung internationaler Skulpturen der Moderne. Das Museum möchte aber nicht nur Herberge für Kunst sein, sondern Ort lebendiger Vermittlung, denn – so der Leitspruch der Vermittlungsabteilung – „Kunst ist für alle da“.
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, richtet das Haus sein Vermittlungsangebot an eine große Vielfalt an Menschen. So leistete das Museum beispielsweise mit seiner europaweit ersten Museumsführung für Menschen mit Demenz im Jahr 2007 echte Pionierarbeit.
Leitung und Mitarbeiter*innen verstehen das Museum als einen Ort für gesellschaftlichen Austausch und gelebtes Wissen. Sie reagieren auf aktuelle Entwicklungen in der Stadtgesellschaft und bieten seit den 1980er Jahren ein inklusives und vielfältiges Vermittlungs- und Begegnungsprogramm mit Führungen, offenen Ateliers und Projekten für verschiedene Zielgruppen an.

Lehmbruck Museum und Diversität: Pionierarbeit mit dementiell Erkrankten
Die Kunstvermittlung entwickelt neben Programmen für Gruppen, Familien, Schulklassen, Jugendliche und Senior*innen Angebote für Menschen mit besonderen Bedürfnissen wie Hör- und Sehbehinderte und Menschen mit Demenz, vor allem in Form von Führungen oder offenen Ateliers.

Mit der ersten Führung für Menschen mit Demenz im Januar 2007 leistete das Lehmbruck Museum Pionierarbeit: Es war europaweit das erste Museum mit einem Vermittlungsangebot für diese Zielgruppe. Die Methodik und Didaktik wurden wissenschaftlich begleitet: So war das Museum ein Partner des zweijährigen EU-Projekts „Museums Art and Alzheimer´s MA & A“ für an Demenz erkrankte Menschen. Im Rahmen des Programms „Soziale Innovationen für Lebensqualität in der alternden Gesellschaft“ wurde von 2012 bis 2015 in Kooperation mit dem International Institute for Subjective Experience and Research (ISER) Hamburg und anderen eine Studie durchgeführt unter dem Titel „Entwicklung eines Modells zur gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Demenz im Museumsraum“. Die Ergebnisse liegen als Buch vor (siehe Literatur). Die experimentelle Beschäftigung mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen geht häufig als dauerhaftes Angebot in die Museumsstruktur ein.

Kulturelle Bildung: Arbeit mit Geflüchteten
Zusätzlich zu den zahlreichen Aktivitäten der Kunstvermittlung für verschiedenste Gruppen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Fertigkeiten setzte das Museumsteam in den letzten Jahren weitere Aktivitäten zum interkulturellen Austausch mit frisch zugewanderten Menschen um.

Im Dezember 2015 initiierte das Lehmbruck Museum das Projekt „Geflügelte Worte – New Quotes about Art“ für einen Austausch mit Geflüchteten. Es wurde begleitet mit einer Supervision durch das Hamburg Institute for Subjective Experience and Research (ISER). Die Teilnehmer*innen aus Asylunterkünften in der unmittelbaren Nachbarschaft konnten begleitet von Museumsmitarbeiter*innen die Sammlung kennenlernen und eigene Affinitäten zu Kunstwerken entdecken, künstlerische Positionen hinterfragen und Textinterpretationen auf Deutsch, Englisch und ihrer Heimatsprache in der Ausstellung hinterlassen.

Mit „Alles Bio“ bot das Museum 2017 erneut ein Projekt an, das sich an Geflüchtete aus Unterkünften in Duisburg richtete und sich humorvoll dem Thema Biografie näherte. Es sollte den Spracherwerb der Teilnehmer*innen fördern und künstlerische Strategien zur kreativen Teilhabe und Gestaltung von Kultur und Gesellschaft vermitteln. Fünf Teilnehmer*innen absolvierten später Praktika im Museum.

Für den Zeitraum Herbst 2018 bis Frühjahr 2019 wurde im Rahmen von „The Walk – keine Retrospektive”, einer Arbeit über das Lebenswerk des Künstlers Jochen Gertz, eine Klasse zur Berufsorientierung für Geflüchtete in Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft Duisburg im Museum eingerichtet. Neben dem Unterricht zu praktischen handwerklichen und technischen Arbeiten im Museumsbetrieb ist wesentlicher Teil des Projekts ein wöchentliches Sprachatelier, das für alle Museumsgäste offen ist. Moderiert wird dies von studentischen Mitarbeiter*innen. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm, das auf vielen Ebenen interkulturelle Begegnungen ermöglicht.

Foto: © Michael Uhlmann

Sparte

  • Bildende Kunst
  • Kunst
  • Museum

Ort

  • Duisburg

Weiterführende Informationen

MA&A Museum Art and Alzheimer`s

 

Hamburg Institute for Subjective Experience and Research (ISER)

 

Deutscher Museumsbund: Themenbereiche Inklusion und Diversität und Kulturelle Bildung

 

Bundesverband Museumspädagogik mit den Fachgruppen barrierefreie Museen, Generation 60plus, Internationales, Kinder und Jugendliche im Museum und Digitale Bildung

 

Literatur:
Deutscher Museumsbund e.V. (Hg.): Alle Welt: im Museum. Berlin, 2015.

 

Michael Ganß, Sybille Kastner, Peter Sinapius: Kunstvermittlung für Menschen mit Demenz – Kernpunkte einer Didaktik. Transformation / Band 2. Herausgegeben von Hannes Jahn, HPB University Press GmbH, Berlin, 2016.

 

MA&A Project 2016-2017, Bucci, C. u. a.: Tool Kit. Das kommunikative Potential der Kunst: Ein Werkzeugkasten. (Abruf nach Login)

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